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Markus Albers Twitter:

    “Wer mobil und flexibel sein muss, anstatt es sein zu dürfen, ist nicht frei”


    Hier nun Teil zwei der Leseprobe aus Claas Triebels (Bild) neuem Buch “Mobil, flexibel, immer erreichbar – Wenn Freiheit zum Albtraum wird”, in dem er auf kluge Weise den fast exakten Gegenstandpunkt zu meinen Thesen einnimt und erklärt, warum die neue Arbeitswelt uns unglücklich macht.

    Natürlich bin ich letztlich überhaupt nicht seiner Meinung. Die Lektüre seiner Gedanken lohnt dennoch sehr, denn der Autor ist klug, symphatisch und schimpft nicht einfach kuluturpessimistisch herum, sondern weiss, wovon er spricht. Teil eins gibt es hier.

    “Die Generation der Eltern derer, die heute zwischen 25 und 45 sind, beneidet ihre Kinder, weil ihnen, wie sie meinen, alle Möglichkeiten offen stehen. Sie selbst mussten bei Jack Kerouac nachlesen, was es bedeutet »unterwegs« zu sein. Diejenigen wiederum, die heute mobil, flexibel und immer und überall erreichbar sind, beneiden die Generation derer, die sich ihrer Vorstellung nach noch aussuchen konnten, welchen Weg im Leben sie beschreiten wollten. Die ein so viel langsameres Leben als sie selbst führen konnten. Die noch etwas kannten, das es wert war, »Freizeit« genannt zu werden. Zeit, über die sie mit voller Souveränität verfügen konnten, in der nicht das Handy klingelte, in der sie sich nicht über Börsenkursen informieren mussten und keine Präsentation für den Montagvormittag auszuarbeiten hatten.

    Diejenigen, die es nicht in die Ferne zog, die eine Familie gründeten und Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern, Rechtsanwälte oder Steuerfachgehilfen wurden, empfinden zuweilen Neid oder Bewunderung gegenüber denjenigen, die in der Weltgeschichte herumreisen und wissen, bei welchem Inder es in London das beste Curry gibt. Denn sie fürchten ihr Leben zu versäumen, weil sie sich schon häuslich eingerichtet haben und denken, ihr Weg sei jetzt für Jahrzehnte vorgezeichnet. Sie träumen davon einmal auszubrechen und etwas Neues zu erleben. So sehnen sich die einen nach Beständigkeit, die anderen danach, mobil und flexibel zu sein und mit der Laptop-Tasche durch fremde Städte zu flanieren.

    Mobilität, Flexibilität und Erreichbarkeit gelten als Verheißungen der Moderne, als Errungenschaften von Politik, Wirtschaft und Fortschritt, als Inbegriffe von Freiheit. Doch längst sind diese Begriffe nicht mehr nur positiv besetzt. Sie haben einen Bedeutungswandel erfahren. Wer mobil, flexibel und erreichbar sein muss anstatt es sein zu dürfen, ist nicht frei. Wer seinen Wohnort und die Wahl seines Umfelds allein vom Marktgeschehen abhängig macht, dessen Leben wird zu einem losen Geflecht willkürlich aneinandergereihter Städte, Länder und Menschen. Die Biografie wird zum Patchwork bunter aber wahllos zusammengefügter Flicken. Wer an jedem Ort der Welt telefonisch oder per Mail erreichbar ist, verliert seinen privaten Rückzugsraum und stellt das ganze Leben in den Dienst der Erwerbsarbeit. Für diese Menschen sind deshalb aus Möglichkeiten in den vergangenen Jahren vielfach Zwänge geworden.

    Die Generation der heute 25 bis 45-Jährigen sieht sich Anforderungen ausgesetzt, die sich die Nachkriegsgeneration für sich selbst erträumt hatte. Doch was den einen ein Traum war, ist den anderen zur Pflicht geworden. Was den einen Ressource und Freiheit war, verkehrt sich für die anderen ins Gegenteil. Wer mobil, flexibel und weltweit vernetzt ist, ohne es zu wollen, lebt nicht in Freiheit. Der Mensch ist dann gefangen in etwas, das zwar ähnlich aussieht, sich aber ganz anders anfühlt als ein freies und selbstbestimmtes Leben.”

    Dies war der zweite Teil des Auszugs aus Claas Triebels aktuellem Buch “Mobil, flexibel, immer erreichbar”.

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