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Markus Albers Twitter:

    Virtuelle Persönliche Assistenten – wie man seine Arbeit nach Übersee outsourct (ein Selbstversuch)

    Wer Tim Ferriss’ Buch “Die Vier Stunden Woche” gelesen hat oder Tom Friedmans “Die Welt ist flach”, kennt das Prinzip: Virtuelle Persönliche Assistenten, z.B. in Indien, erledigen unangenehme oder zeitfressende Aufgaben für vielbeschäftigte Amerikaner – Steuererklärung machen, Präsentationen zusammenbauen, Reisen buchen. Weil die Assistenten im Ausland viel billiger sind und unter Ausnutzung von Währungskursunterschieden kommt der Auftraggeber günstiger weg als wenn er all das selbst tun würde. Schnelles Internet, Filesharing und IP-Telefonie machen es technisch möglich. Was ich mich immer gefragt habe ist – geht das auch von Deutschland aus? Ich habe es ausprobiert – es geht. Aber es geht sogar noch besser.

    Ob so eine Virtuelle Persönliche Assistenz (VPA) für Privatpersonen überhaupt Sinn macht, wird immer wieder diskutiert. Der tolle amerikanische Autor A.J. Jacobs hat indische VPAs sogar bei seinem Boss anrufen oder Streitigkeiten mit seiner Frau schlichten lassen – wenn auch mehr aus Spaß und für einen Esquire-Artikel. Aber inzwischen schreibt sogar die Brigitte über das Phänomen. Das Problem: Eigentlich alle bekannten Unternehmen, die so etwas anbieten – wie Get Friday, bieten nur englischsprachigen Service. Unpraktisch, wenn man Telefonate, Korrespondenz oder auch nur Präsentationen auf Deutsch abgewickelt haben will.

    Ich wollte also wissen: Gibt es auch deutsche VPAs? Tim Ferriss meinte dazu nur: Klar, Du gehst einfach auf die Website Elance, da gibt es Tausende aus Osteuropa. Sorry Tim, stimmt so nicht: Ich habe Anfang des Jahres eine deutschsprachige Ausschreibung auf Elance gemacht und exakt EINE Bewerbung bekommen. Von Johannes Völkner, einem jungen Deutschen, der nach Kapstadt ausgewandert ist und seitdem regelmäßig Jobs für mich übernommen hat: Übersetzungen und Webrecherche zum Beispiel.

    Johannes erzählte mir vor ein paar Tagen von seinen Erfahrungen im VPA-Geschäft. Seine These: Es sind gerade nicht die Billigjobs, die Deutsche ins Ausland outsourcen sollten. Sondern anspruchsvolle Aufgaben, für die sie online weltweit Experten suchen können. Das ist dann immer noch günstiger als in der Heimat, aber vor allem findet der Privatmensch so überhaupt erst mal einen Markt für Fachleute, die er Stundenweise buchen kann.

    Dieses Geschäft will Johannes nun für Deutschland erschließen: Er startet eine kostenlose Job-Plattform, auf der Auftraggeber und -nehmer direkt zueinander finden können. Vergleichbar mit Elance, in Deutschland Netjobbing oder MachDuDas, aber eben mit dem klaren Schwerpunkt: Virtuelle Assistenz für deutsche Kunden. Was kann man sinnvollerweise nach z.B. Südafrika oder Australien outsourcen? Johannes nennt eine Liste mit Beispielprojekten. Ich fand all das sehr spannend und habe ihn gebeten, mir das Konzept einmal näher zu erklären. Hier sein Beitrag:

    Virtuelle Assistenz: Ein Geschäftsmodell mit ungenutztem Potential für Auswanderer und Mütter

    “Frisch nach Südafrika ausgewandert, befand ich mich letztes Jahr auf der Suche nach einer Möglichkeit, per Internet Geld verdienen zu können, ohne Kenntnisse in Web- oder Grafikdesign  zu haben. Beim Lesen amerikanischer Bücher und Websites stieß ich auf das Arbeitskonzept der Virtuellen Assistenz. Schade war nur, dass dieses hervorragende Modell in Deutschland so gut wie gar nicht existiert und neuerdings oft als Rekrutieren billiger Arbeitskräfte missverstanden wird.

    Geschichte

    Virtuelle Assistenten sind Menschen, die mit Hilfe neuer Kommunikationstechnologien Unternehmen auf der Basis von Stundenhonoraren unterstützen. So etwas gibt es in den USA schon seit Ende der 90er Jahre. Anfangs waren es überwiegend kleine Unternehmen, die sich keine Vollzeitkraft für typische Sekretärs-Tätigkeiten leisten konnten oder deren geographische Lage es schwierig machte, gute Kandidaten zu finden. Inzwischen ist die Virtuelle Assistenz in den USA schon soweit fortgeschritten, dass sich auf diesem Gebiet Nischen bilden, zum Beispiel im Immobiliensektor oder im Internetmarketing. Vor kurzem erfuhr der Virtuelle Assistent zunehmender Beliebtheit, nachdem Bestsellerautor Timothy Ferris über das Outsourcing von Dienstleistungen an persönliche Assistenten nach Indien schrieb.

    Möglichkeiten im deutschsprachigen Raum

    Auch wenn es für Deutsche nur sehr begrenzt möglich ist, Arbeiten in ein Niedriglohnland wie Indien zu vergeben, hat die Virtuelle Assistenz auch in Deutschland enormes Potential. Gerade für Mütter mit guten PC-Kenntnissen ist dieses Modell eine hervorragende Möglichkeit, Arbeit und Familie in Einklag zu bringen. Auch für Auswanderer bietet sich so die Möglichkeit, weiterhin auf dem deutschsprachigen Arbeitsmarkt aktiv zu sein. Arbeitgeber können bei Auswanderern von der oft hohen Qualifikation der Bewerber profitieren. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Kapstadt zum Beispiel ein sehr guter Ort ist, um hochqualifizierte deutsprachige Kräfte zu rekrutieren, die Unternehmen hervorragend als Virtuelle Assistenten unterstützen können . Bisher haben dieses Potential jedoch lediglich einige Callcenter erkannt. Dass man als deutscher Arbeitgeber bei Auswanderern durchaus ein paar Euro sparen kann, dürfte klar sein.

    Grundsätzlich geht es dabei aber nicht nur um billige Hilfskräfte. Vielmehr ist es in Zukunft zunehmend egal ist, von wo aus man arbeitet. Wer einen guten Job macht, wird gut dafür gut entlohnt. Es wird dann keine Rolle mehr spielen, ob man in Kapstadt, Greifswald oder München lebt. Thomas Friedmann hat diesen Trend in seinem Buch „The World is flat“ sehr treffend beschrieben.

    Ob die Arbeiten nun in „Goodbye Deutschland“- Destinationen mit geringeren Lebenshaltungskosten oder letztendlich nur im Umkreis von 100km vergeben werden – bei Jobs, die keine physische Anwesenheit erforden, gibt es auch für hochqualifizierte Tätigkeiten enormes Einsparpotential. Geringere Lebenshaltungskosten und die Tatsache, dass die Arbeit nur für tatsächlich geleistete Stunden bezahlt wird, zählen dabei zu den Hauptargumenten. Gerade deshalb fand ich es sehr verwunderlich, dass im deutschsprachigen Raum bis heute so gut wie niemand Gebrauch von Virtuellen Assistenten macht, obwohl dieser Trend in den USA schon seit vielen Jahren existiert.

    Fernarbeit.net – Das erste deutschsprachige Portal für Virtuelle Assistenten

    Markus Albers hat mit seinem Buch schon bewiesen, das es wirklich möglich ist dem sterotypen 9to5 Job zu entfliehen. Wer nun allerdings noch ein wenig weiter gehen möchte und z.B. mit Hilfe von PC und Headset selbstständig von zu Hause oder aus dem Ausland arbeiten möchte, für den könnte die Virtuelle Assistenz ein interessanter Job mit Zukunft sein. Da es derzeit kein Jobportal speziell speziell für Virtuelle Assistenten gibt, habe ich mit www.fernarbeit.net ein kleines kostenloses Angebot zu dem Thema eingerichtet. Über Jobeinträge von Arbeitgebern würde ich mich besonders sehr freuen, um dieses Arbeitskonzept auch in Deutschland einen kleinen Schritt voranzutreiben.”

    Soweit Johannes Völkner über sein Jobportal für Virtuelle Assistenten. Was meinen Sie – kann das funktionieren?

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