RSS-Feeds

Einträge | Kommentare

Markus Albers Twitter:

    Die Easy Economy im Praxistest – ein Unternehmen setzt auf Freianstellung

    Als Buchautor ist es ja immer toll, wenn die eigenen, auf Papier plausibel klingenden Thesen auch im richtigen Leben etwas bewirken. Unter den vielen Leser-Emails, die ich bekommen habe, waren einige, die fragten: Wie kann ich die Buchideen in meine Firma tragen? Was mache ich, wenn ich meinen Chef von mehr Freiheit in der Festanstellung überzeugen will? Wie setze ich als Vorgesetzter mobile und flexible Strukturen konkret um?

    Da ich selbst als Journalist keine Unternehmensberatung machen möchte, habe ich in der Regel auf Ansprechpartner jener deutschen Firmen verwiesen, bei denen die Easy Economy schon (teilweise) Wirklichkeit ist, zum Beispiel IBM, Lorenzsoft, Stryker …

    Vor einigen Tagen erreichte mich dann aber eine Mail, die mich besonders gefreut hat. Statt nach Tipps zu fragen, war es ein Erfolgsbericht: Davon, wie der Chef eines jungen Unternehmens das Buch gelesen hat. Wie er sich in der beschriebenen Arbeitsweise wieder erkannte. Wie er und seine Mitarbeiter sich daran machten, die Freianstellung in die Tat umzusetzen. Hier der Bericht von Diana Schlehahn, die bei der Leipziger netzideen GmbH arbeitet (oben das ganze Team – Diana ist die blonde Dame rechts im Bild):

    “Eines Tages stand unser Geschäftsführer Micha in der Tür – Tränen in den Augen, Buch in der Hand. Das sei die Offenbarung, meinte er. Wir fanden bereits den Titel super – Morgen komm ich später rein von Markus Albers. Nachdem uns Micha ein paar Ausschnitte rezitierte, lasen wir alle das Buch quasi in einem Atemzug.

    Aber wer sind wir überhaupt? Wir heißen netzideen, kommen aus Leipzig und planen Online-Marketing-Prozesse für kleine und mittelständische Unternehmen. Wir bestehen aus zwei Geschäftsführern, einer Assistentin und mir, ich kümmere mich um die Prozessoptimierung und das Marketing. Wir sind das, was die meisten unter einer jungen, dynamischen, aber oft auch chaotischen Internetbude verstehen.

    Um vor allem das letzte Vorurteil aus der Welt zu schaffen: Wir grübelten wir schon lange über Möglichkeiten, zielorientierter und erfolgreicher zu arbeiten, ohne am Ende des Tages mit einem Magengeschwür oder einem Herzinfarkt das Bürogebäude verlassen zu müssen. Wir tüftelten an Tages-, Wochen- und Monatsplänen, etablierten eine Wochenbesprechung und vernetzten unsere Kalender via Microsoft Exchange Server. Es lief in die richtige Richtung, trotzdem saßen wir nach wie vor mindestens acht Stunden pro Tag im Büro, hetzten zum Sport oder ins Kino, setzten uns danach noch mit dem Notebook vor den Fernseher, um die Aufgaben zu erledigen, die wir im Laufe des Tages nicht geschafft hatten und standen am nächsten Tag wieder pünktlich um neun auf der Matte. Kein Dauerzustand.

    Dann der Tag, an dem das Buch in unser Leben trat. Viele Ideen klangen plausibel und ohne weiteres realisierbar – die strikte Ergebnisorientierung, die eigenverantwortliche Zeit- und Ressourcenplanung, der aktivere Einsatz unserer mobilen Arbeitsplätze. Wir erstellten einen Einsatzplan, in dem sich die Anwesenheit aller Mitarbeiter inklusive der Geschäftsführung lediglich um zwei Kernzeiten drehte: neun Uhr morgens und sechs Uhr abends. Wir führten einen Ideentag ein, an dem jeder von uns dem Büro fernbleibt und sich zuhause, im Wald oder im Café den Kopf auf kreative Weise über ein Thema zerbricht, das nicht zwangsläufig mit dem netzideen-Alltagsgeschehen zu tun haben muss. Im Übrigen ist mein Ideentag-Ergebnis dieser Gastkommentar hier.

    Klingt alles ziemlich einfach – ist es aber nicht. Die Selbstbestimmung über Arbeitszeiten und Zielerreichung stellte uns vor große Herausforderungen. Es ist erstaunlich, wie stark traditionelle Arbeitsmuster, wie der Acht-Stunden-Tag, die halbstündige Pause und das Vertrödeln kostbarer Zeit mit unnötigen Arbeitsschritten, auch in uns – relativ jungen – Menschen verwurzelt sind. Und wie schwer es ist, eben diese zu durchbrechen. Genau dies spiegelte das Buch wider – Easy Economy zu etablieren ist alles andere als easy. Doch wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die ersten Schritte trotz Zweifel und Skepsis konsequent bewältigt werden, sind die Vorteile nicht von der Hand zu weisen.

    Ein großer Vorteil stellte sich fast von alleine ein: Wir redeten miteinander! Wir erkannten, dass Kommunikation die essentielle Basis für eine Zusammenarbeit dieser Art sein muss. Die gemeinsame Planung von Verfügbarkeiten, die Erreichbarkeit via Mail, Skype, Instant Messenger und Handy wurde genauso unumgänglich, wie der effektive und permanente Informationsaustausch über unsere webbasierte Projektmanagement-Anwendung „Streber“ und die Dateiablage im Exchange-Netzwerk, zu dem wir immer und überall zugreifen können.

    Easy Economy funktioniert nur, wenn alle Beteiligten hinter dieser Idee stehen. Es funktioniert nur, wenn am Ende des Tages ein messbares Arbeitsergebnis vorliegt. Es funktioniert nur, wenn die Aufgaben sinnvoll verteilt und realisiert werden. Es funktioniert nur, wenn jeder für sich den eigenen Stellenwert im Unternehmen erkennt und lebt. Wir sind auf dem besten Wege, dies zu verwirklichen – Morgen komm ich später rein hat uns die richtigen und wichtigen Impulse dazu gegeben.”

    Share this post:
    • Digg
    • del.icio.us
    • Facebook
    • Google Bookmarks
    • email
    • LinkedIn
    • Live
    • MisterWong
    • MySpace
    • StumbleUpon
    • Technorati
    • TwitThis
    • Yigg

    2 Reaktionen zu “Die Easy Economy im Praxistest – ein Unternehmen setzt auf Freianstellung”

    1. [...] View albersmark: Die Easy Economy im Praxistest – ein Unternehmen setzt auf Freianstellung http://www.markusalbers.com/blog/?p=467 2008-11-24 11:50:07 · Reply · View mugecerman: A bad economy may be the best time [...]

    2. [...] netzideen und das Easy Economy-Experiment. Jetzt haben wir es auch in das tolle Blog von Markus Albers geschafft. In einem Gastbeitrag erläutern wir unsere ersten Erfahrungen mit dem neuen Arbeitsmodell, das wir seit Oktober eingeführt haben. Hier berichten wir über Freuden und Tücken der freien Arbeitszeiteinteilung, der Zielorientierung und des eigenverantwortlichen Entscheidens. Alles nachzulesen unter morgenkommichspaeterrein.de [...]

    Einen Kommentar schreiben