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Markus Albers Twitter:

    “Der Wille, sich sein Leben so einzurichten, wie man es sich wünscht”

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    Dies ist der zweite Teil des Interviews mit Florian Steglich, Redakteur des bekanntesten, besten (und vielleicht einzigen echten) deutschen Produktivitätsblogs imgriff.com (Teil 1 gibt es hier). Diesmal sprechen wir über weltweite Mobilität, Lifehacking und die Frage, ob Selbstoptimierung eigentlich ‘neoliberal’ und ‘unsolidarisch’ ist.

    Florian, die Arbeit auch in Unternehmen wird immer mobiler und flexibler – können wir bald überall arbeiten, wo wir wollen? Ist so eine weltweite Mobilität überhaupt für viele Menschen realistisch und wünschenswert?

    Die Möglichkeiten für ortsunabhängiges Arbeiten werden sich zweifellos noch weiter verbessern – ganz naheliegend etwa dadurch, dass man im Zug und im Flugzeug durchgehend online sein wird. Blogwerk, der Verlag hinter imgriff.com, ist ja ein hervorragendes Beispiel: Die Mitarbeiter sitzen in San Francisco, Zürich, Stockholm, Boston, Berlin, Chemnitz, … Allerdings sind solche Modelle natürlich für viele Berufe auch weiterhin unrealistisch. Fließbandjobs werden ebensowenig verschwinden wie unflexible große Organisationen, die oben angesprochenen Weinreben kann der Winzer nicht vom Urlaubsstrand aus schneiden, und mein Lebensmittelhändler soll bitte auch da bleiben, wo er gerade ist.

    Ob die weitgehende Mobilität wünschenwert ist, lässt sich so einfach wohl kaum bewerten: Für den Einzelnen hängt es primär von seiner Einstellung ab. Mobiles und virtuelles Arbeiten ist eine Kulturtechnik, an der sicher nicht jeder Freude haben wird.

    Um nochmal auf Blogwerk zurückzukommen: Wir merken durchaus, dass es bei völlig virtueller Zusammenarbeit auch Verluste gibt. Schnelle Absprachen auf Zuruf und Besprechungen von Angesicht zu Angesicht oder beim Mittagessen haben noch immer eine andere Qualität als Mails oder IM-Nachrichten.

    Im weiteren Kontext: Ist das Arbeiten an Personal Productivity nur Teil einer größeren Emanzipationsbewegung hin zu Lifehacking/Lifestyle Design, also dem Trend, sich das Leben mit Hilfe neuer Techniken so einzurichten, wie man es gern hätte? Hast Du einen besseren, deutschen Begriff dafür, und/oder eine abweichende Definition?

    Unter “Lifestyle Design” verstehe ich den doch etwas egozentrischen Ansatz von Tim Ferriss, der seine E-Mails von virtuellen Assistenten irgendwo in Indien beantworten lässt. Das halte ich in dem Ausmaß nicht für einen Trend und die Hilfe, die neue Techniken bieten können, um sich das ganze _Leben_ so einzurichten, wie man es gerne hätte, für beschränkt. Zum glücklichen Leben gehört dann doch noch einiges mehr, das man nicht mit Tools regeln kann.

    Einen gemeinsamen Kontext gibt es allerdings sicher bei persönlicher Produktivität und dem Willen, sich sein Leben so einzurichten, wie man es sich wünscht; verwandt ist da auch der Trend, Arbeit nicht mehr als Gegensatz zum Leben zu sehen. Das alles ist vielleicht die positive Seite der Entdeckung, dass der Dreisprung Ausbildung – lebenslange Sicherheit beim örtlichen Mittelständler – Ruhestand nicht mehr der Normalfall ist.

    Wenn man die aktuelle Wirtschaftskrise als Anlass begreift, bestehende Strukturen in Frage zu stellen, neue Ideen zu entwickeln – würdest Du zustimmen, dass die alten Institutionen (lebenslange Festanstellung, 9to5-Job, Geldanlage, Rente, etc.) zunehmend passé wirken und wir stattdessen selbst unser Leben (a la WWGD) neu erfinden müssen? Ermöglichen die neuen Social Media Technologien das?

    Der technologische Part ist ganz sicher zu einem großen Teil noch ein Elitephänomen. In meinem durchaus nicht internet-unaffinen Bekanntenkreis gibt es nicht allzu viele, die regelmäßig und wesentlich mit Web-2.0-Tools arbeiten. Die restlichen Punkte jedoch sind keineswegs mehr Elitephänomene. Die Verlässlichkeiten der Elterngeneration sind weg, das allerdings unabhängig von der aktuellen Krise – dass wir nicht mehr Lehre oder Studium abschließen und danach Jahrzehnte auf derselben Stelle sitzen (pun intended), ist uns ja schon lange klar. Das alles bewirkt Unsicherheiten, birgt aber auch Chancen und Vorteile, denn der sichere 9-to-5-Job war ja auch nicht bloß sicher, sondern oft genug nervtötend und stumpf, schlecht bezahlt und aussichtslos.

    Die Unterstützung, die das Internet hier bietet, sollte man nicht überbewerten, aber es gibt sie: Einzelkämpfer oder kleine Teams können sich ihren Lebensunterhalt selbst sichern, sei es, dass sie Smartphone-Hüllen filzen und über Portale wie etsy.com verkaufen, sei es, dass sie das Schreiben für sich entdecken und mit Werbeeinnahmen auf einem Blog Geld verdienen. Wenn dieser Long Tail des Geldverdienens weiter wächst, wäre das ein schöner Zustand: Alleine mit einem Internetanschluss, einem Computer, etwas Schreibtalent oder -handwerk und Geschichten oder Informationen, die weiterzugeben es sich lohnt, sein Einkommen zu bestreiten. Die digitale Form des Selbstversorger-Gemüseanbaus.

    Manche würden eine solche Sicht, aber auch viele Inhalte bei Imgriff, womöglich als “amerikanisch”, “unsolidarisch”, “neoliberal” brandmarken. Warum soll man sich immer nur selbst optimieren / helfen müssen? Wo bleibt die Gemeinschaft?

    Tatsächlich kamen solche Vorwürfe auch schon mal in den Kommentaren bei imgriff.com vor. Ich tue mich recht schwer, das nachzuvollziehen. Muss sich jemand selbst helfen, weil er außerhalb der Gemeinschaft auf sich allein gestellt ist, oder will sich jemand selbst “optimieren”, weil ‘das doch nicht schon alles gewesen sein kann’? Das eine ist eine eher passive, das andere eine aktive Betrachtungsweise. Sicherlich schlägt das Pendel mal mehr zum einen und mal mehr zum anderen Extrem aus, und ich bin auch nicht so lebensfremd oder zynisch, nicht anzuerkennen, dass es Menschen gibt, die tatsächlich einfach nicht mehr ‘ihres Glückes Schmied’ sind; aber gerade deshalb kann ich mit so einfachen Gegensätzen in aller Regel nichts anfangen. Kann man sich nur um andere sorgen, indem man sich selbst vergisst? Nein, zwischen “sich selbst optimieren / helfen” und dem Leben in einer Gemeinschaft sehe ich überhaupt keinen Widerspruch.

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