StyleSpion: “Alles was ich heute mache, habe ich mir selbst beigebracht”

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Hier folgt nun Teil zwei meines Interviews mit Kai Müller (Bild), dem Kopf hinter StyleSpion, einem der erfolgreichsten deutschen Blogs, das er seit Anfang des Jahres hauptberuflich betreibt. Im ersten Teil wollte ich von Kai wissen, wie es war, sich mitten in der Krise selbständig zu machen. Hier geht es nun ein bisschen mehr um den gesellschaftlichen und theoretischen Hintergrund derart moderner Erfolgsgeschichten, die noch vor ein paar Jahren nicht möglich gewesen wären.

Vorweg aber noch schnell die Geschichte, woher ich Kai kenne: Er war einer der ersten, der im letzten Herbst auf mein erstes Buch “Morgen komm ich später rein” aufmerksam geworden ist. Weil er aber bei StyleSpion keine Buchrezensionen macht, habe ich stattdessen halt meine Wohnung gezeigt. Die Zitronenpflanzen sind übrigens inzwischen noch viel größer …

Kai, eine interessante Theorie kommt von Seth Godin, der meint: Es gibt da draussen unendlich viele “Stämme”, die darauf warten, dass man ihr Anführer wird. Im Grunde dasselbe Argument wie bei Gary Vanyerchuk: Tue, was Du liebst, dann findest Du weltweit  Gefolgschaft, Kunden, Geschäfte. Dafür scheinst Du ein ideales Beispiel zu sein, oder?

Seth Godin ist ein schlauer Mann und seine Theorie über “Tribes” ist nachvollziehbar. Was mir daran nicht gefällt, ist der Vorsatz ein Anführer zu werden. Ich mag die Augenhöhe einfach lieber.

Wenn man die aktuelle Wirtschaftskrise als Anlass begreift, bestehende Strukturen in Frage zu stellen, neue Ideen zu entwickeln – müssen wir selbst unser Leben (a la WWGD) neu erfinden?

Für meine Berufswelt trifft es zu, klar. Ich habe nur eine Ahnung, wie es in fünf, zehn oder gar zwanzig Jahren aussehen könnte – aber ich bin mir sicher, dass von den Ideen, die die Generation meiner Eltern hatte, nicht mehr viel übrig bleibt, außer vielleicht den Laubensiedlungen.

Ermöglichen die neuen sozialen Techniken dieses “sich neu erfinden”?

Das klingt mir zu sehr nach schauspielern. Auch in den Social Networks wird früher oder später auffallen, ob man nur in eine Rolle geschlüpft ist, oder “echt” ist. Authenzität wird eine der großen Herausforderungen sein, gar nicht so sehr für die einzelnen Menschen, sondern vor allem für Unternehmen. Wie schwer Unternehmen die Kommunikation mit ihren Kunden fällt, können wir jeden Tag erleben.

Ist das Ganze doch nur ein Minderheiten-Phänomen?

Die breite Masse ist noch längst nicht da, wo sie selbsternannte Social Media Experten und ihre Kunden gerne hätten. Wir lassen uns nur zu gerne von Zahlen und bunten Powerpoint-Folien blenden. Dazu kommt, dass man sich in der Regel mit seines gleichen umgibt – schon ist die Illusion einer komplett vernetzten, twitternden und bloggenden Republik manifestiert. Der gemeine User nutzt die großen Netzwerke aber ohne allzuviel darüber nachzudenken. Er sieht nur die Möglichkeit und nutzt sie. Dass er nun zur “Generation Upload” gehören soll, ist ihm dabei so unklar wie egal.

Als hauptberuflicher Blogger hast Du einen Beruf, den es vor fünf Jahren noch gar nicht gab. Was bedeutet das für Berufswahl, Ausbildung, etc. – was sollen junge Menschen lernen, wie sich ältere weiterbilden? Versteht Deine Familie, was Du tust?

Meine Familie versteht nicht was ich tue. Wie auch? Junge Menschen haben zumindest den Vorteil, dass sie das Internet so selbstverständlich nutzen, wie keine andere Generation. Problematisch ist dabei wohl, dass die Entwicklung so schnell vonstatten geht, dass kaum ein Lehrbuch, und noch weniger Lehrpersonal im Stande ist, mitzuhalten. Alles was ich heute mache, habe ich mir selbst beigebracht, primär mit Input aus dem Netz. Und vieles von dem, was ich mir angeeignet habe, gebe ich selbst wieder über das Netz weiter. Wer zuhören kann und auch hinterfragt, wer Interesse hat und offen ist, dem bietet das Internet bereits heute alles was er benötigt, um sich fortzubilden.

3 Reaktionen zu “StyleSpion: “Alles was ich heute mache, habe ich mir selbst beigebracht””

  1. Hallo Markus, danke für das Interview. Ich kann Kai da nur voll zustimmen.
    Der Wandel in der Arbeitswelt wird immer schneller und die Zukunft unbeständiger. Die Arbeit wie zu Zeiten unserer Eltern und Großeltern mit einem Arbeitgeber von der Lehre bis zur Rente ist in vielen Bereichen schon lange vorbei.
    Da bleibt nur sich immer auf dem Laufenden zubleiben und sich fortzubilden, wie Kai schon gesagt hat.

    Was macht das neue Buch, Markus?

    Gruß

    Lutz

  2. @Lutz Das neue Buch wächst und gedeiht. Es wird im nächsten Frühjahr erscheinen. Den Entstehungsprozess kann man hier ein bisschen verfolgen …

  3. Whoa a good deal of wonderful material.

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